Sonntag, 8. Februar 2015

Parcours - FH Design

Der Künstler macht, was er will. 
Der Designer will, was er macht. 
Kurt Weidemann, Grafikdesigner, Typograf

Einmal im Jahr findet in Münster der Parcours statt. Drei Tage lang präsentieren die Absolventen des Fachbereichs Design an der FH Münster ihre Abschlussarbeiten und stellen sich den Fragen interessierter Besucher. Am Freitag wurde der diesjährige Parcours eröffnet und völlig naiv habe ich mich mit der Vorstellung auf den Weg gemacht, ich könnte entspannt durch die Räume schlendern. Ich bin einfach davon ausgegangen, dass sich die meisten Studenten an einem kalten Freitagabend lieber in der Stadt in den Bars tummeln würden, als den weiten Weg zur Fachhochschule auf sich zu nehmen. Falsch gedacht! 

Als ich um 21 Uhr am Leonardo Campus eintraf, drängte sich bereits vor dem Eingang eine große Menge Studenten und auch das Foyer war schon gut gefüllt. Im Eingangsbereich wurde mir dann auch klar, dass die Party dieses Wochenende nicht in der Stadt, sondern in der Fachhochschule stattfinden würde. Ich fand mich inmitten von gestylten Menschen wieder, die mit Bier- oder Weinbechern rund um ein DJ-Pult versammelt waren. Aber warum auch eigentlich nicht? Design ist schließlich sexy! 




Das Bier habe ich aber erstmal links liegen gelassen, um mich zunächst dem zu widmen, weshalb ich eigentlich gekommen war: die Abschlussarbeiten. Toll fand ich gleich im ersten Raum die Illustrationen von Elfe Marie Opiela, die nichts mit kühlem Design zu tun haben, sondern mitten in mein (Mädchen-)Herz treffen und mich sehr an Nadja Illustration erinnern. 




Produktdesign fasziniert mich zwar eigentlich nicht so besonders aber den Rucksack von Gabriela Husz hätte ich am liebsten vom Fleck weg gekauft. Gabrielas Backpack ist ziemlich schick und dazu noch äußerst praktisch, da man durch einen sehr klug platzierten Reißverschluss ganz easy jederzeit auch an das ganz unten eingepackte Gepäck heran kommt. Ich war so fasziniert von dem Teil, das ich glatt vergessen habe, es für euch zu fotografieren. Schaut aber mal auf dieser Website vorbei, hier könnt ihr euch andere tolle Produkte anschauen, die Gabriela bereits designed hat. 




Dass der Trend immer stärker zu alten Werten, also zu handschriftlicher Typografie, zum Zeichnen mit dem Stift statt mit digitalen Pinseln und zu Retro-Möbeln geht, ist jetzt nicht unbedingt eine neue Erkenntnis. Beeindruckend fand ich aber, dass viele der Absolventen ganz offensichtlich die Intention hatten, Produkte oder Projekte zu erschaffen, durch die es möglich ist, mehr im Einklang mit der Umwelt und mit anderen Kulturen leben zu können - sei es durch die Verwendung natürlicher Materialen, durch mehr Bewusstsein für den Herstellungsprozess der Produkte oder durch das Designen ganz neuer ökologischer oder sozialer Projekte. Es stand bei vielen nicht das ästhetische Objekt im Mittelpunkt, der Fokus lag oft mehr auf der humanen Komponente. 

David Büscher und Michael Rautenberg haben sich beispielsweise für den angewandten Teil ihrer Bachelorarbeit auf den Weg in den Balkan gemacht, um Zusammenhänge zwischen Kultur und äußerer Erscheinung eines Landes und seiner Bewohner, dem Umgang mit visuellen Kommunikationsmitteln, Konsumgütern, Alltagsprodukten usw. zu ergründen. 

Am Ende hatte ich eine Tasche voller Visitenkarten von tollen Jungdesignern und einen Kopf voller Eindrücke, die erstmal verarbeitet werden müssen. 


Zwei Dinge habe ich an diesem Wochenende gelernt: zum einen dass der Parcours längst kein Geheimtipp mehr ist und zum anderen, dass Design sowohl sehr sexy aber auch unglaublich sozial sein kann. Ich hoffe, dass die Jungdesigner sich ihren Idealismus erhalten und unsere Welt zukünftig mit ihren Entwürfen nicht nur schöner sondern auch ein kleines bisschen besser machen. 

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